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Die Geschichte der Sternwarte Sursee



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Paul Koller, der Begründer der Sternwarte Sursee

 Schreiner Koller

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Geschichtliches

Als am 20. Juli 1913 Paul Koller das Licht der Welt erblickte, hatte er bestimmt noch keine Ahnung, dass er der eigentliche Begründer einer Sternwarte, der Sternwarte in Sursee sein würde. Aufzuwachsen in Arth am See (Schwyz), in einem engen Talkessel, den Horizont durch hohe Berge, insbesondere durch die dominante Rigi versperrt, dies kann einen grossen Drang nach Weite entstehen lassen. Wird dieses Engegefühl dann durch mehrere Rigi-Kulm Besuche, durch Beobachten des Sternenhimmels und des berühmten Sonnenaufgangs kompensiert, kann daraus der bekannte Astronomie-Virus entstehen! Paul Koller war nicht resistent genug! Vom Virus befallen beschaffte er sich viele Fachbücher, studierte optische Zusammenhänge - lernte nach und nach die Eigenschaften von Spiegeln, Linsen, Prismen und deren Zusammenspiel kennen. Schon bald stand sein erstes Fernrohr in der Stube. Dieses Linsenfernrohr, in der Astronomie Refraktor genannt, wurde später mit Zubehör zur Sonnenbeobachtung ergänzt. Aus diesem Erfolg resultierte der Ansporn, ein noch besseres Gerät herzustellen. Das nächste Teleskop war ein 15cm Newton-Reflektor, dessen Spiegel er selber schliff. Dieses Gerät erfüllte fast alle seine Erwartungen.

In den vierziger Jahren kam Paul Koller nach Sursee und eröffnete hier einen Schreinerbetrieb. Seiner grossen Leidenschaft wurde er nie untreu - er wollte noch mehr von der unendlichen Weite des Universums sehen. In mehrjähriger Arbeit entstand in den siebziger Jahren sein grösstes Werk : der 30cm Newton-Reflektor. Dieser Spiegel, mit einem Zielfernrohr, automatischer Nachführung und einer Montierung 'in Erdachsenrichtung' ausgestattet, erbrachte die vierfache Leistung seines Vorgängers.

Da der Transport dieses 1.80m langen Gerätes mit der ganzen Montierung sehr aufwendig war, musste ein definitiver und optimaler Standort gefunden werden. Diverse Plätze wurden erwogen, so z.B. auf der Halbinsel am Sempachersee oder in einer Waldlichtung bei der Haselwarte. Eines der Hauptprobleme der Astronomie war damals schon (und heute erst recht !) die schmutzige Luft und die nicht minder störende "Lichtverschmutzung" (Light Pollution). Diese ist ein extremer Feind der Astronomie. Wer schon einmal in einem Seitental irgendwo im Tessin oder im Wallis den Nachthimmel betrachtet hat stellt unweigerlich fest, dass dort ein Mehrfaches an Sternen sichtbar sind - bedingt dadurch, dass kein Shopping Center, hunderte von Lampen aller Art oder eine nahe Stadt den Himmel erhellen!

Ende der sechziger Jahre war der Neubau der Berufsschule Kotten in Sursee eines der grösseren Bauvorhaben. Die Lage am Stadtrand in der Nähe eines Waldes erschien optimal - was lag näher als das Schulhausdach mit einer Kuppel zu krönen? Die Stadt Sursee, in dessen Besitz das Fernrohr später überging, liess auf dem Neubau die Sternwarte erstellen. Die Kuppel, aus 2 Halbschalen bestehend, wurde drehbar auf dem Dach montiert und mit der Fertigstellung des Gewerbeschulhauses Kotten im Jahre 1971 war ebenfalls die Sternwarte Sursee geboren! Leider war es dem inzwischen 57-jährigen Paul Koller nur noch wenige Jahre vergönnt, sein Werk der Öffentlichkeit zu präsentieren (er verstarb am 14. März 1976).

Im Jahre 1977 wurde die Leitung und die technische Betreuung der inzwischen verwaisten Anlage durch die Herren Otto Steiger und Fritz Weibel wieder gewährleistet. Die ersten Jahre der Wiederinbetriebnahme waren sehr aktiv, bestückt mit diversen Vortragsreihen und Astronomie-Kursen. Aber die Jahre gingen nicht spurlos an Mensch und Gerätschaft vorüber. Ein beinahe letztes Aufflammen des Astronomie-Feuers in der Sternwarte bewirkte zum Jahreswechsel 1985/86 der nur alle 76 Jahre wiederkehrende Komet Halley. Mit Halley, so schien es wenigstens, flog auch die letzte Aktivität davon.

Eine Sternwarte ohne Sterne, das darf nicht sein !

Dies der Grund eines "Antrages auf Zugang zur Sternwarte", den Peter Ens 1987 bei der Stadtverwaltung einreichte. Da die Sternwarte seit dem Rücktritt von Hr.Steiger unbenutzt war, wusste man nur, dass diverse mechanische und elektrische Mängel bestünden. Ein erster Augenschein und vor allem die neu gewonnenen Erfahrungen zeigten, dass der Zustand und die Grösse des Fernrohrs für eine "Volkssternwarte" nicht mehr optimal geeignet waren. Eine gut eingerichtete und funktionierende Sternwarte ist ein Vorzeigestück für jede Stadt, hat auch für schulische Zwecke einen grossen Stellenwert. Nach längerer Planung des am Mai 1990 neu ernannten Betreuers der Sternwarte Sursee, Peter Ens, entstand das Budget für eine Neuinvestition. Dieser Ausgabeposten wurde von der Gemeindeversammlung nicht abgelehnt und so konnte der Neuerwerb im Dezember 1990 installiert werden. Das ehemalige Newton-Teleskop wurde demontiert und ist seit dem auf dem Dach der Kantonsschule Beromünster wieder im schulischen Einsatz.

Geräte

Die Sternwarte Sursee ist heute im Besitze eines 36 cm Schmidt-Cassegrain-Teleskopes (Celestron, C14). Nebst diversem Zubehör sind spezielle Sonnenfilter und die CCD-Kamera (SBIG, ST7) erwähnenswert.

Öffnungszeiten

Die Sternwarte ist normalerweise am letzten Freitagabend des Monats geöffnet. Die genauen Daten können dem Erwachsenenbildungsposter, der Lokalpresse sowie auf der Internetseite der Sternwarte (sternwarte.ens.ch) entnommen werden. Bei aussergewöhnlichen Anlässen, wie z. B. beim Erscheinen eines Kometen, werden die zusätzlichen Öffnungszeiten ebenfalls publiziert. Interessierte Gruppen können jederzeit einen Termin vereinbaren.

Spezielles

Die Sternwarte Sursee erhält inzwischen viele astronomische Anfragen aus der ganzen Schweiz und via Internet auch aus Deutschland und Österreich. Nebst Dia-Vorträgen an diversen Schulen (und in der Sternwarte) war die Sternwarte Sursee mit einem mobilen Teleskop während 7 Abenden am Pfadi-Bundeslager "cuntrast'94 im Napfgebiet tätig und im August 2001 mit einem Dia-Vortrag im Jugendrotkreuz-AcrossCamp 2001 in Nottwil.

Durch diverse, astronomische Beiträge im Mitgliederblatt der AGL (Astronomische Gesellschaft Luzern) und dem Orion (Zeitschrift der Schweizerischen, Astronomischen Gesellschaft SAG) ist die Sternwarte Sursee über die Gemeindegrenze hinaus bekannt geworden!

Die Zukunft der Sternwarte

Die Zukunft der Sternwarte Sursee "sieht leider nicht sehr rosig aus"! Die stetig zunehmende Beleuchtung des Gewerbes und der "öffentlichen Hand" hellen den Himmel dermassen auf, dass heute schon schwächere, astronomische Objekte im grau des Nachthimmels verschwunden sind - ein Ende ist leider nicht absehbar! Auf die Problematik angesprochen zeigen die "Lichtsüder" ("Lichtverschmutzer") grosses Verständnis - aber der Wille zur Behebung des Problems ist "GLEICH NULL"! (Dabei könnte die ganze Himmelsaufhellung mit einem einzigen "Schalterdruck" aufgehoben werden !!!)

 

Surseer Woche : Letzte Stunde für die Sternwarte Sursee

 



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